Kniegelenk

Mit dem Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung ist eine Zunahme der Verschleisserscheinungen an den Gelenken verbunden. Heute wünscht man sich, auch mit zunehmendem Alter körperlich mobil zu bleiben. Die schmerzfreie Beweglichkeit der Gelenke ist eine wesentliche Voraussetzung für aktives Handeln im Beruf und in der Freizeit.
Besonders die Schmerzen schränken die Beweglichkeit und damit auch die Lebensqualität ein. Ein künstliches Gelenk befreit von Schmerzen und schafft somit wieder Lebensqualität. Trotz der grossen medizinischen Fortschritte und der zwischenzeitlich guten Langzeitergebnisse bleiben aber auch bei dieser Operation gewisse Risiken. Diese Broschüre will Ihnen einige wichtige Informationen über Ihre Erkrankung, den Kniegelenkersatz, die Nachbehandlung und das Leben mit einem künstlichen Kniegelenk geben. Sie kann jedoch keine ausführliche Beratung ersetzen - sie soll lediglich eine Ergänzung zu dem Gespräch mit Ihrem Arzt sein.
Wie ist das Kniegelenk aufgebaut
Wenn Sie den Aufbau eines Kniegelenkes kennen, fällt es Ihnen leichter, die Schädigungen dieses Gelenkes und die damit verbundenen Beschwerden zu verstehen. Im Kniegelenk bewegt sich der Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Unterschenkelknochen, dem Schienbein (Tibia). Die Gelenkflächen an den Knochenenden sind mit Knorpel überzogen, was ein sanftes Bewegen der Knochen gegeneinander erlaubt. Die Gelenkfläche des Oberschenkels, bestehend aus innerer und äusserer Knierolle, ist gewölbt, die Gelenkflächen des Unterschenkels am Schienbeinkopf sind etwas gemuldet. Die an den Rändern entstehenden Hohlräume werden durch die Menisci (innerer und äusserer Meniskus) ausgefüllt. Es handelt sich dabei um keilförmige, halbmondförmige Knorpelscheiben. Diese Menisci haben für die Bewegung und Belastung des Kniegelenkes eine führende Wirkung und als sogenannte Dämpfer eine Pufferwirkung.
Ein dritter Knochen, die Kniescheibe (Patella), gehört ebenfalls zum Kniegelenk und bildet mit einer Gelenkfläche am Oberschenkel gewissermassen ein weiteres Gelenk. Die Kniescheibe gleitet bei jeder Beugung und Streckung des Kniegelenkes nach unten bzw. nach oben. Die Patella ist in die Sehne des Oberschenkelstreckmuskels eingelassen, die an einem Vorsprung am Schienbein verankert ist.
Für die feste und exakte Führung des Kniegelenkes sorgen die Bänder. Es gibt ein inneres und ein äusseres Seitenband sowie ein vorderes und ein hinteres Kreuzband, die im Gelenk liegen. Dieser Bandapparat sorgt bei den Bewegungen des Kniegelenkes im Zusammenspiel mit der Muskulatur für die richtige Führung und den festen Halt. Voraussetzung dafür ist eine gute kräftige Muskulatur. Das Kniegelenk ist auch - wie alle Gelenke - von einer Gelenkkapsel umhüllt. Diese Gelenkkapsel besteht aus zwei Teilen, einer straffen Gelenkkapsel, die das Gelenk insgesamt schützt, und einer zarten, inneren Gelenkkapsel (Synovia), die die Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) produziert. Diese ernährt den Knorpel hauptsächlich und mindert die Reibungskräfte.
Das Kniegelenk wird in drei Gelenkabschnitte eingeteilt. Diese Einteilung ist sinnvoll, weil bei Erkrankung nur eines Gelenkabschnittes auch nur ein einzelner Gelenkabschnitt durch ein Kunstgelenk ersetzt werden kann. Der innere Gelenkabschnitt liegt zwischen der inneren Oberschenkelrolle und dem inneren Schienbeinkopf mit dem Innenmeniskus. Der äussere Gelenkabschnitt liegt zwischen äusserer Oberschenkelrolle und äusserem Schienbeinkopf mit dem Aussenmeniskus. Der vordere Gelenkabschnitt liegt zwischen der Rückseite der Kniescheibe und dem Gleitlager am Oberschenkel. Beim Bewegungsablauf des Kniegelenkes, d. h. beim Beugen und Strecken, handelt es sich nicht um eine reine Scharnierbewegung, sondern um eine Rollgleitbewegung des Oberschenkels auf dem Unterschenkel.
Jede Schädigung einer oder mehrerer Strukturen des Kniegelenkes kann zu einer Störung des Gleichgewichtes führen und somit einen Gelenkverschleiss - Arthrose - auslösen.
Was ist Arthrose?
Arthrose ist eine Gelenkerkrankung, welche die Oberfläche des Gelenkes - den Knorpel - zerstört. Es kommt zu abnormalen Reaktionen am angrenzenden Knochen und zu einer entzündlichen Reaktion im Gelenk. Unter Arthrose versteht man eine degenerative Gelenkerkrankung (Gelenkverschleiss). Mit zunehmendem Alter lässt sich bei sehr vielen Menschen eine generelle Abnutzung der Gelenke feststellen. Die glatte Knorpelgewebsschicht wird altersbedingt, aber auch belastungsbedingt, vermehrt abgerieben und rauh, so dass sich die Gleitfunktion vermindert.
Die Arthrose ist eine Krankheit, die sich meistens über viele Jahre, oder sogar Jahrzehnte hinweg, entwickelt. Die Beschwerden treten also keinesfalls sofort auf. Jede Über- und Fehlbelastung kann dazu führen, dass der Knorpel an seiner Oberfläche verletzt wird. Dadurch können einige Knorpelzellen absterben und es entstehen Furchen und Risse. Dieser Verschleissprozess nimmt dann deshalb seinen Lauf, weil der ausgewachsene Mensch keinen Gelenkknorpel nachbilden kann. Schon bald hält der Knorpel auch den normalen Alltagsbelastungen nicht mehr stand. Der Knorpel wird rauh und fasert auf. Kleine Knorpeltrümmer lösen sich ab und reizen als Abriebstückchen die Gelenkinnenhaut. Es kommt zu einer Reaktion der Gelenkinnenhaut, in deren Folge eine Gelenkentzündung und ein Erguss entstehen. Daraus resultiert dann eine Störung des Bewegungsablaufes. Diese Prozesse sind für den Betroffenen mit zunehmenden Schmerzen verbunden.
Grundsätzlich können alle Gelenke des Körpers betroffen sein. Am häufigsten treten sie aber an Gelenken der unteren Extremitäten auf, die schon durch das Körpergewicht stark belastet sind.
Folgen der Arthrose
Die Folge der Arthrose sind Schmerzen, zuerst bei Belastung - die Gehstrecken werden immer kürzer- bis schliesslich auch im Ruhezustand kaum noch Linderung zu verspüren ist. Ein typisches Syndrom ist der sogenannte "Anlaufschmerz": morgens nach dem Aufstehen oder tagsüber nach längerem Sitzen fallen die ersten Schritte schwer, denn das betroffene Gelenk ist wie eingerostet. Gleichzeitig nimmt auch die Gelenkbeweglichkeit ab. Nachteil der zwangsweisen Schonung ist, dass es zum einen durch mangelnde Bewegung zu einer Schwächung der Muskulatur kommt, zum anderen sich die Ernährungssituation des Knorpels weiter verschlechtert. Der Muskel braucht Bewegung und Belastung, um kräftig zu bleiben, der Knorpel braucht Bewegung und eine gewisse Belastung, damit er ausreichend ernährt wird.
Bei der chronischen Polyarthritis werden viele Gelenke befallen und zerstört. Hier verläuft der Entzündungsprozess im Gegensatz zur Arthrose etwas anders, aber der Endzustand beider Formen ist vergleichbar. Bei der gegen den eigenen Körper gerichteten Abwehrreaktion entstehen spezielle Substanzen, die zu einem entzündlichen Anschwellen der Gelenkschleimhaut führen. Hierdurch wird der normale Ernährungsweg für den Gelenkknorpel erheblich beeinträchtigt und es findet ein Zerstörungsprozess der Knorpeloberfläche und der Knochenknorpelgrenze statt. Folge ist eine zunehmende Verformung und Gebrauchsunfähigkeit der Gelenke.
Dieser Prozess kann langsam, schleichend oder rasch fortschreiten. Die krankhaften Veränderungen des Arthrosegelenkes lassen sich im Röntgenbild darstellen. Dabei ist der Knorpelüberzug selbst nicht erkennbar. Die umgebenden Knochenstrukturen lassen aber auf den Zustand des Knorpels schliessen. Der Gelenkspalt wird durch den Knorpelverlust schmaler oder verschwindet ganz. Am gesunden Gelenk erkennt man den Knorpel am glatten, gleichmässig ausgeprägten, weiten Gelenkspalt
Wie kommt es zu einer Kniegelenksarthrose
Allein das zunehmende Lebensalter führt zu einem Gelenkverschleiss, der idiopathischen Arthrose. Mehr Frauen als Männer leiden unter einer Kniegelenksarthrose. Nach vorsichtigen Schätzungen sind im Alter von 75 Jahren bei fast allen Menschen arthrotische Gelenkveränderungen nachweisbar.
Weitere Ursachen für die Entstehung einer Arthrose sind Übergewicht, Fehlstellung, z. B. das X- oder O-Bein, aber auch mangelnde Bewegung oder schlechte Durchblutung der Gelenke. Auch Überlastung und Verletzungen des Kniegelenkes während der Arbeit, der Freizeit oder beim Sport, wie z. B. beim professionellen Fussballer, aber auch Stressbelastung, können der Auslöser für die Entwicklung einer Arthrose sein.
Jede Erkrankung des Knorpels, des Knochens, der Gelenkschleimhaut oder der Gelenkflüssigkeit kann zu einer Arthrose führen. In einem so beanspruchten und komplexen Gelenk wie dem Kniegelenk, müssen sowohl Achsen als auch Form gut aufeinander abgestimmt sein, wenn es ein Leben lang ohne nennenswerte Abnutzung funktionieren soll. Ebenso müssen die bewegenden und gleichzeitig die haltenden Muskeln und Bänder störungsfrei arbeiten.
Behandlung der Kniegelenksarthrose
Eine Heilung der Arthrose ist weder mit konservativen Mitteln (Tabletten, Spritzen, Salben, Krankengymnastik) noch durch eine Operation möglich. Durch Änderung von Lebensrhythmen, medikamentöse Massnahmen, physiotherapeutische Behandlungen oder orthopädische Apparate lässt sich der Verlauf verzögern und ein erträglicher Zustand erreichen. Hier steht die Beseitigung des Schmerzes im Vordergrund.
Zunächst ist es wichtig, den Reizzustand der Gelenkinnenhaut und damit auch den Schmerz zu bekämpfen. Hier können Medikamente, wie die nicht steroidalen Antirheumatika oder Cortison, eingesetzt werden. Parallel zur medikamentösen Therapie kommen physikalische Massnahmen, wie Kälte- oder Wärmebehandlung oder die Elektrotherapie zur Anwendung. Von grösserer Bedeutung ist die Krankengymnastik, die das Gelenk beweglich hält und die führende und stützende Muskulatur kräftigt. Wichtig ist, dass das Gelenk gezielt bewegt wird, ohne es zu sehr zu belasten. Neben den gezielten gymnastischen Übungen können Sie auch entlastende Sportarten, wie Schwimmen oder Radfahren, ausüben.
Durch einen operativen Eingriff (kein Gelenkersatz) kann in manchen Fällen der Kniegelenksarthrose eine Linderung der Beschwerden erreicht werden, z. B. kann durch eine Arthroskopie ein zerstörter Meniskus entfernt, evtl. auch der Knorpel etwas geglättet werden. Bei Fehlstellung, wie dem X- oder dem O-Bein, kann durch die Korrektur der Beinachse wieder eine gleichmässige Belastung des Kniegelenkes erzielt werden und die Schmerzen sich damit vermindern.
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